Unser allererstes Mal

Stefan Gwildis im Brückenforum Bonn – 24.03.2007

Gut 1 Jahr ist sie her, unsere erste Begegnung mit Stefan Gwildis – er in unserer Flimmerkiste, wir gemütlich auf der Couch – bis wir heute unser erstes Gwildis-Konzert erleben die erste gwildische Soulsorge erfahren dürfen. Was uns erwartet können wir nicht annähernd erahnen.

Da stehen wir nun zusammen mit einem befreundeten Pärchen und noch ca. tausendeinhundert (1.100) anderen Fans hier im Brückenforum in Bonn. Im Erdgeschoss und im Foyer gibt’s Getränke und Fingerfood, die Jacken kann man für kleines Geld an der Garderobe abgeben und die bestuhlte Halle ist recht übersichtlich.

Das Schöne im Brückenforum sind die nummerierten Sitzplätze (da brauchen wir alten Leutchen uns nicht um die guten Plätze zu prügeln ;-)) – und das Schlechte im Brückenforum sind die nummerierten Sitzplätze, weil es einen bei einem Gwildis-Konzert nicht lange darauf hält … und das merken wir und die anderen 1.100 Fans sobald ein Mann …  fast zaghaft, leise und unauffällig die Bühne zu betreten versucht – Stefan Gwildis. Die Menge jubelt und die Show beginnt:

Die Beat-BoxScat-Version von „Allem Anschein nach bist du’s“ (Original „Ain’t no Sunshine“ von Bill Withers) macht klar was folgen wird. Dieser ruhige und zurückhaltende Mensch aus Zimmer frei wird auf der Bühne zur wahren „Rampensau“. Er schafft es mit Leichtigkeit als One-Man-Band den Saal mit Leben zu füllen und alle uns bekannten Versionen des o. g. Liedes vergessen zu lassen. Das klingt, das grooved, das geht ins Blut … in die Beine … in die Arme und Finger … wir wippen und schnippen … sch*ß Stühle!!!

Es folgt eine gesungene Begrüßungszeremonie, denn Stefan Gwildis freut sich, dass wir Brüder und Schwestern trotz des so wichtigen Fußballspiels erschienen sind, und natürlich hat er sich kundig gemacht und fragt ein paar Vororte Bonns ab, um ein paar Mitfans namentlich in seine Begrüßungshymne einzubinden. Dieses Procedere war für uns Neuland … so etwas hat uns noch kein Künstler geboten … oder vielleicht doch … ja genau: das erinnert eher an Kabarett bzw. Improvisationstheater, wie z. B. von den von uns heißgeliebten Springmäusen aus Bonn … Aber ein Musiker mit solch einem Programm, das ist schon eine nette Variante. Wenn der Abend so weitergeht wie er begonnen hat, dann aber Hallo. Es geht nicht nur so weiter, das Ganze ist erfreulicherweise noch gut steigerungsfähig …

Stefan Gwildis hat Verstärkung auf der Bühne bekommen und wird jetzt von Ralf Schwarz, Mirko Michalzik, Achim Rafain, Matze Kloppe und Martin Langer begleitet. Alle Musiker verbreiten einfach nur gute Laune, Euphorie und immer wieder ein beseeltes „Let’s did it“ unter uns Brüdern und Schwestern. Ein wunderbares Lied folgt dem anderen und wird von kabarettistischen Einlagen ergänzt.

Irgendwann hat Stefan Gwildis ein Einsehen und erlöst die Stühle von uns wibbelnden Fans – wir dürfen aufstehen. Yeah! Nur gut, dass unsere Plätze direkt am Gang sind, da können wir uns so richtig austoben. Schon längst habe ich vergessen, dass sonst zum Programm wohl ein paar Background-Sängerinnen und ein Blasorchester gehören. Ich vermisse nichts, denn wenn die Herren mit breitem Grinsen und viel Spiellaune den Background übernehmen und Matze Kloppe auf der Melodica als Ersatz für’s „Gebläse“ spielt, dann hat das seinen ganz eigenen Charme.

Mein absolutes Highlight ist aber ein Musikinstrument der ganz besonderen Art:

Ja, wir alle geben Stefan und seinen Mannen nichts ahnend

ein S
wir geben auch noch ein U
sowie das passende L
und zu guter Letzt auch noch das O

– um dann zu erkennen, dass uns dieser Till Eulenspiegel schon wieder zum Narren gehalten halt. Da steht er nun mit einer verbeulten Mülltonne auf der Bühne (gibt es die Dinger aus Blech heute überhaupt noch?). Was jetzt kommt kann man nicht beschreiben – man muss es einfach gesehen haben, das

Sulo-Solo!

Unser anfängliches Lachen über diese urkomische Situation wandelt sich in pure Faszination. Wir bangen um Stefans Finger, sind begeistert und amüsiert wie er diese „Trommel“ bearbeitet und dabei noch seine Späße treibt – es ist unbeschreiblich mitreißend. Am Ende des Trommel-Sulo-Solos steht ein One – Two – Three – Four, dann vibriert der Boden – oder besser gesagt – die ganze Halle … die Bühne wird in gleißendes Licht getaucht und „Bleib so wie du bist“ erklingt kurz (leider viel zu kurz). Einfach unglaublich und unvergesslich (eine Video-Aufnahme aus der LMH Köln gibt’s hier).

Wann, wie, wo und weshalb welches Lied im Verlauf des Abends gespielt wird, kann ich mir beim besten Willen nicht merken. Es gibt einen wunderschönen Unplugged-Teil, viele mir bekannte Lieder und auch ein paar unbekannte werden gespielt (ja, ich gestehe: „Das wunderschöne Grand-Prix-Vorentscheidungs-Grau“ war mir bis heute absolut fremd). Bis zum Schluss ein absolut stimmiges Konzert, aber es kommt wie es kommen muss: Das Ende … die Verabschiedung der Band mit „Nur in meinen Gedanken“, die Devotionalienanpreisung und als finale Zugabe werden die letzten leisen gefühlvollen Takte gespielt und gesungen „Lass mich nicht allein heut Nacht“ – oh wie wahr … warum nur haben sie aufgehört? Leichte Verzweiflung macht sich breit „Lasst uns nicht allein heut Nacht“ … bitte … es könnte noch Stunden so weitergehen …

Wir haben wirklich nicht gemerkt wie die Zeit verronnen ist … Was? Schon so spät?

Der krönende Abschluss ist, dass ich meiner ältesten Tochter nun wirklich das im Spaß versprochene Autogramm mitbringen kann. Neben den Devotionalien steht ein erfrischter, sehr entspannter und freundlicher Stefan Gwildis, hört sich in aller Ruhe die Dankeshymnen seiner Fans an, posiert für ein paar Erinnerungsfotos und schreibt geduldig persönliche Widmungen auf CDs, DVDs, Eintrittskarten etc.

Fazit: Wir haben bestimmt schon viele tolle, unvergleichliche Konzerte gesehen bzw. erlebt, aber mit so einem guten Gefühl sind wir selten nach Hause gegangen. Was ist es, dass wir nach diesem Stefan-Gwildis-Konzert dieses Mehr-davon-Gefühl empfinden? Um das herauszufinden, werden wir wohl noch eines besuchen müssen. „Nach dem Konzert ist vor dem Konzert“, also sehen wir uns wieder … und zwar genau am 16. Juni 2007 in der Live Music Hall in Köln – das ist sicher!!!

Let’s did it … again!

Veröffentlicht am 19. November 2010

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