Widrigste Umstände

Popolski-Show in Siegburg am 29. Januar 2011

Ich gehöre eher nicht zu den Menschen, die sich jedes Jahr viele gute Vorsätze fassen, um nach einer Weile ernüchtert festzustellen

Life is what happens to you while you´re busy making other plans.  (Zitat: John Lennon)

Aber trotzdem gab es für dieses Jahr ein paar Pläne und Ziele, die ich nun bereits im ersten Monat des Jahres aufgeben musste:

  • täglich mindestens ein Blogeintrag
  • nie wieder Popolskis Popolski-Konzert-Besuchspause bis zum nächsten Programm

Dass das mit der täglichen Bloggerei nicht so hingehauen hat, seht Ihr ja selbst.

Na ja und die Popolskis … die hatten doch noch irgendwann einen Termin in Siegburg. Das ist ja fast vor der Haustür. Und dann soll auch noch Elvek mit dabei sein, den ich bisher nur aus Erzählungen und von Fotos meiner weltbesten Rasselbande kannte. Außerdem liegt die Konzertbesuchsrate Ende Januar bei Null (das geht eigentlich gar nicht) und zufälligerweise gibt’s sogar noch Karten … so geht’s also ziemlich kurzentschlossen und erwartungsfroh doch noch mal auf die Polka-Party-Pirsch …

Das fängt ja gut an – der Veranstaltungsort

18:30 Uhr soll Einlass sein – ganze 1 1/2 Stunden vor Beginn der Show. Wir sind pünktlich und doch steht schon eine beeindruckende Schlange vor dem Eingang der Rhein-Sieg-Halle. Es ist schweinekalt aber die Pforten öffnen sich, „da sind wir ja bald im Warmen“ – hoffen wir … pustekuchen … so was von falsch gedacht, denn es werden ein paar Leute eingelassen und der überwiegende Rest darf noch ca. eine halbe Stunde schlotternd vorm Eingang stehen bevor es weitergeht. Je kälter uns wird, umso mehr hat dieser Veranstaltungsort bei mir schon verloren und es entstehen in meinem Kopf bereits Überschriften wie „Rhein-Sieg-Hallen-Drama – Popolski-Fans erfroren“. 😉

Gefühlte Stunden später kommt dann doch noch die Eintrittskarte zum ehrenvollen Einsatz, und die gründliche aber humorvolle Security wirft sehr genaue Blicke auf die Besucher und deren Taschen und sonstige Mitbringsel; da werden dann schon mal von schottisch sparsamen Pelzmantelträgern mitgebrachte, mit ganzen Wochenrationen an Speis und Trank gut gefüllte Picknickkörbe mit den Worten „Gehören Sie zum Catering?“ freundlich aber konsequent einkassiert. Auch wenn ich in diesem Augenblick bereits ziemlich frustig auf diesen Konzerttempel eingestimmt bin, kann ich mir ein anerkennendes Grinsen für solche Art von Humor nicht verkneifen – denn man kann über die Rhein-Sieg-Halle nicht gerade behaupten, dass man dort verdursten oder verhungern müsste – ein solch vielfältiges Angebot an Getränken und Speisen findet man selten in Konzerthallen.

Aber die (Schaden-)Freude währt kurz. Einem Blick in die Halle folgt blankes Entsetzen: Stühle!

Rhein-Sieg-Halle Innenansicht

Nee, bitte nicht. Stimmungskiller Nummer 1 bei dieser Art von Konzerten sind Sitzplätze. Spätestens jetzt steht der Vorsatz fest, der Rhein-Sieg-Halle kein gutes Zeugnis auszustellen. Aber wie das mit meinen wenigen Vorsätzen so ist, wird auch dieser gebrochen, denn die Halle ist äußerst gepflegt, die allgegenwärtigen Ordnungskräfte haben bestimmt aber sehr freundlich alles im Griff und verlieren sogar bei unangenehmeren Zeitgenossen nicht die Contenance. Die nach hinten ansteigende Sitzanordnung bietet auch von den hinteren Rängen freie Sicht und die Akustik ist – nach kurzen Startschwierigkeiten – recht gut.

Noch ein Plus: Man darf bei den ersten Liedern – selbstverständlich ohne Blitz – fotografieren und wer das umsichtig und ohne Störfaktor für die anderen Konzertbesucher praktiziert hat sicher noch das ein oder andere weitere Foto im Kasten. So kann mein persönlicher Lieblings-Wald-und-Wiesen-und-Haus-und-Hof-Hobby-Fotograf trotz Entfernung zur Bühne und extrem schwieriger Lichtverhältnisse manch brauchbaren Schnappschuss machen.

Erwähnenswert für alle Anreisenden ist auch, dass das Parkhaus direkt an der Halle gute und bezahlbare Parkmöglichkeiten bietet.

Die Show – polnische Schwerstarbeit

Nun sind also die Popolskis gefragt, das Ruder rum- bzw. die Menschen vom Hocker zu reißen – Pavel würde es vielleicht so formulieren „Da geht der Post unter der widrigste Umstande ab durch der Decke“.

Mirek und Danusz Popolski

Dorota, Mirek, Marek, Henjek & Stenjek, Danusz, Janusz, Elvek und Pavel geben wirklich alles und liefern eine qualitativ wahnsinnig gute Show mit etlichen – sogar für uns Wiederholungstäter – überraschenden Momenten. Die einzelnen Künstler erwecken ihre polnischen Charaktere mit so viel Power zum Leben und geben ihnen ein ganz individuelles Profil.

Danusz Popolski am Abgrund

Wir sind immer wieder begeistert, auf welch hohem musikalischen Niveau mit scheinbarer Leichtigkeit noch nebenbei geschauspielert wird. Ganz großes Kino!

Mirek Popolski

Aber der relativ breite Graben zwischen Bühne und Publikum sowie die Stuhlanziehungskraft waren für diesen Funkenflug nur schwer zu überwinden.

Janusz Popolski

Das ein oder andere Mal stand der komplette Saal und schunkelte, groovte und feierte, um am Ende des Liedes wieder wie magnetisch angezogen auf den Allerwertesten zurückzuplumpsen. Schade!

Ganz neu war für mich der Auftritt von Elvek – dem erfreulichen Ergebnis eines popolski-freundschaftlichen Polenbesuches des King of Rock’n Roll. Wenn ihr mich fragt … „Elvis lebt!“ – sein Pseudonym kennt ihr ja jetzt. Aber Psst – nicht weitersagen!

Elvek Popolski

Ich bin jetzt nicht gerade der Elvis-Fan, aber das ist schon nicht schlecht, was der charming Elvek dort in genial Augenkrebs verursachender Kluft abliefert – wenngleich man merkt, dass er noch nicht ganz  in der Familie angekommen ist. Doch wie wir unsere Popolskis kennen, wird auch daran noch weiter gefeilt werden.

Elvek und Mirek Popolski

Mit drei Liedern, einem unvergleichlichen Ganzkörper-Hüftschwung und bezauberndem Lächeln gewinnt er unser jüngeres Gemüse auf jeden Fall schon mal für sich. Mich überzeugt er mit „Suspicious Minds“ bei dem Elvek sich – gewollt oder ungewollt?! – in eine (Fast-)Endlos-caught-in-a-trap-Schleife verfängt, was bei uns sehr viel Heiterkeit verursacht.

Dem Jüngsten der Familie Popolski scheint dieses Mal der 98-%ige Spezial-Wudka Pavels auf die Augen geschlagen zu sein, so hat er sich bei der verzweifelten Suche nach seiner Cherry Cherry Lady fast dem nächstbesten Kirschenverkäufer an den Hals geworfen … aber glücklicherweise nur fast! 😉

Zum Schluss des Konzertes ist dann auch endlich der Bann gebrochen, die Halle steht und tobt und gibt den Künstlern die Ehre, die sie sich wirklich hart erarbeitet haben.

Fazit:

Alles in allem ist sogar diese Sitz-Polka wieder einmal tausendmal besser als ein Abend auf der bequemen Couch vorm Fernseher.

Und … Pavel hat es wieder getan … etwas, was wir in der Art laaaaange nicht mehr erleben durften – yeah:

Denn … seit Pavel ein neues, wunderschönes, dorota-rotes Schlagzeug mit auf Reisen nimmt ist er sanftmütiger geworden; fast zärtlich drummed er vor sich hin. Keine Exzesse, keine zerberstenden Drumsticks mehr … bis zu diesem Konzert. Zum Abschluss gibt’s ausgerechnet hier nach langer Zeit endlich mal wieder den richtigen pavelschen Befreiungsschlag … 😀

Linktipps:

Fotos:

Auch fototechnisch herrschten dieses Mal widrigste Umstände, aber doch konnte Stefan ein paar gute Momente festhalten – zum Vergrößern der Fotos einfach auf eines der Bildchen (Thumbnails)  unten klicken und schon könnt Ihr Euch durch die Galerie blättern:

Veröffentlicht am 30. Januar 2011

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8 Kommentare zu “Widrigste Umstände

  1. Hallo Eva!
    Du hast den Samstag wieder sehr schön und treffend in Worte gefasst.

    Wir fanden die Rhein-Sieg-Halle gar nicht so übel. Lag vielleicht daran, dass wir zum ersten Schwung gehörten und im Warmen auf die Schlange vor der Halle schauen konnten. 🙂
    Ansonsten kann ich deine Einschätzung zur gepflegten Halle nur teilen, freundliches und kompetentes (seltene Mischung) Personal und die Akustik war auch gut. Besser als uns einige Mitmenschen vorher glauben ließen.
    Ob die nur mehr Platz für sich haben wollten? 😉

    Elvek findet aber mit jedem Konzert immer mehr seinen Platz in der Familie. Den Eindruck hatten wir am Samstag. Nur schade, dass es einen „Elvek-Block“ gibt und seine Auftritte nicht über die ganze Show verteilt sind. Bei Andrzej und Bogdan klappt das besser.

    Äh… Pavel sanfter? Ich kann mich daran erinnern, dass sein Schlagzeug in der Turbinenhalle auch nur mit Mühe die Show überstanden hat. Und ich meine, im Oktober im ZAKK hat er sich auch nicht zurückgehalten.

    Dein Lieblingsfotograf hat am Samstag wieder einige gute Fotos geschossen, wie man hier sehen kann. Meine Lieblingsfotografin hat auch einige Schnappschüsse mit nach hause gebracht. Die muss ich die nächsten Tage mal für unser zweites Fotobuch sichten. Drei Konzerte dafür haben wir schon wieder zusammen. 🙂

    Apropos Konzerte, wir feiern bei unserem nächsten Konzert am 19.02 ein kleines Jubiläum, unser zehntes Popolski-Konzert. Für Euch wahrscheinlich nix. 🙂
    Und dann warten auf die neue Show im Herbst.

    Viele Grüße
    Holly

    • Hallo Holly,
      schön, dass Dir die Fotos gefallen. Auch hier natürlich wieder ohne Blitz! Würde gerne auch die Ernte Deiner Lieblingfotografin mal sehen. Schade das die Bühne etwas zu hoch für sitzende Fotografen war, denn die PA-Boxen waren immer im Weg! Zu Eurem Jubiläum gebt Ihr doch bestimmt „Einen“ aus – oder?
      Ich denke man sieht sich …
      Viele Grüße
      Stefan

    • Zitat Holly: „Ob die nur mehr Platz für sich haben wollten? ;-)“

      Jo, das sieht fast so aus, Holly, ist bestimmt ne gute Taktik für die nächsten Events – nur schade, dass Ihr dann nicht mehr darauf reinfallen werdet. 😉
      Aber die zwei älteren des jüngeren Gemüses waren vor zwei Jahren mal zum Joja-Wendt-Konzert in der Rhein-Sieg-Halle – jedoch im Konzertsaal in der oberen Etage. Bei jenem Konzert war halt die Akustik nicht so berauschend. Und als die Popolskis frisch loslegten bestätigten sich erst einmal unsere schlimmsten Befürchtungen – da hat aber dann kurzfristig irgendwer wohl noch an irgendeinem richtigen Knöpfchen gedreht.

      Pavel? Turbinenhalle? Wir können ja nicht überall sein! Zakk? Keine Ahnung – da scheinen mir die meinen dann wohl die wesentlichen Dinge vorenthalten zu haben. Tja, das habe ich davon, dass ich das Gezeter von Hagen Rether den Pops vorgezogen habe. 😉

      Mein „Lieblings-Wald-und-Wiesen-und-Haus-und-Hof-Hobby-Fotograf“ (Es gibt doch noch ein paar andere Lieblingsfotografen – bitte nicht weitersagen!) hat das Beste aus der etwas ungünstigen Lage gemacht – aber der Ausschuss war extrem hoch dieses Mal.

      Pops-Konzert No. 10! Keine Sorge Ihr werdet uns sicher bald überrunden – wir haben ja noch einiges anderes auf dem Programm stehen. Ich wünsch Euch auf jeden Fall ganz viel Spaß im Limelight. Vielleicht treffen wir uns im Herbst dann mal irgendwo wieder.

      Lieben Gruß
      Eva

  2. Hallo Stefan!
    Vorallem deine Momentaufnahme von Marek, wie er am Kabel zieht, damit Danusz nicht von der Bühne purzelt finde ich super. Da hat der Profi im richtigen Moment draufgehalten. Meine Lieblingsfotografin macht das ja eher semi-professionell. 🙂 Hier ihre Auslese:

    http://www.dropbox.com/gallery/20374210/1/Der%20Familie%20Popolski%20in%20Siegburg?h=00038c

    An den Seiten hat man bei Konzerten immer mal das Problem, daß Boxen oder Bühnenaufbauten im Weg sind. Muß man dann durch.

    Hallo Eva!
    Auf den Trick werden wir so schnell nicht wieder reinfallen. 😉

    Eigentlich wollte ich dir schreiben, daß wir dieses Jahr gar nicht soviel auf dem Plan haben, dann habe ich nochmal auf meine Pinnwand geschaut. Johann König, Popolskis (Köln), Dieter Hildebrandt, Ray Wilson, Tarja Turunen, ich spiele mit dem Gedanken Paul Heaton in Köln einen Besuch abzustatten, Brainstorm und Erasure wollen auf Tour gehen (aber nicht zusammen 🙂 ) und im Herbst kommen die schunkelnden Polen schon wieder zuruck auf der Buhne. Und wer weiß, wer sich noch alles so dazwischen mogelt. Ich dachte, es wird ein ruhiges Jahr. 🙂

    Wir wollen Euch gar nicht überrunden, wir sind wegen dem Spaß dabei und nicht um Rekorde zu setzen. Vor zwei Jahren hat keiner von uns damit gerechnet, daß der Besuch eines Pops-Konzertes süchtig macht. Stand kein Warnhinweis auf der Karte.

    Viele Grüße an Euch zwei (und den Rest)
    Holly

    • Na, Holly, dann richte mal Deiner „semi-professionellen Lieblingsfotografin“ 😉 aus, dass sie trotz widrigster Umstände doch ein paar sehr schöne Situationen eingefangen hat. Die Bühne war ja ein wenig wie ein schwarzes Loch – jeder Lichtstrahl wurde sofort verschluckt. Und Du solltest Dir vielleicht Gedanken machen … so wie Elvek der Fotografin an Deiner Seite in die Augen Linse schaut. 😀 scnr
      Stefans experimentell hobbyfotografierte Lichtblicke sind nicht immer brauchbar, weil er gerne Neues versucht und bewährte Einstellungen ändert. Aber das gehört zum Lernprozess dazu – auch wenn ich ihn dann manchmal lynchen möchte.

      Deine Liste liest sich gut abwechslungsreich! Wir haben zwar einige Veranstaltungen im Blick, können aus vielerlei Gründen jedoch nur kurzfristig Nägel mit Köpfen machen. So ist das o. g. Zitat von Lennon unser Sinnspruch auch für dieses Jahr. Und heute sollte es ins Savoy-Theater nach Düsseldorf zu Ars Vitalis gehen, aber die Grippewelle hat zugeschlagen … 🙁

    • Hallo Holly,
      danke für die „Foto“-Blumen! 🙂
      Manchmal muss ich dem Autofocus vertrauen, dass er noch schnell genug ist, meine Sehschwäche auszugleichen und die aktuelle Situation zum Schnappschuss wird.

      Bei Euren Fotos sind auch schöne Situationen festgehalten worden. Hat Spaß gemacht die Bilder anzuschauen. So konnte ich noch mal nachholen, was ich verpasst habe, weil ich mit einem Auge am Sucher klebte. 😉

      Grüße Euch
      Stefan

  3. Pingback: Aus anderer Perspektive | hauchNAH

  4. Hallo, Kompliment für die gute Infoseite, übrigens ein Bekannter von mir hat eine Webseite zu Elvis, auch zu den Filmen, in denen Elvis mitspielte, siehe http://philipp-eberth.jimdo.com/elvis-filme/ viele Grüsse Jürgen

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