Anders – aber auch schön

Erinnert Ihr Euch noch an das vergangene Wochenende? Herbstliche Temperaturen, strahlendblauer Himmel und Sonnenschein satt lockten nach draußen … aber ein fremdbestimmter Kalender ließ wenig Raum für Zerstreuung. Nur den Sonntagnachmittag konnten wir für uns nutzen, also ging’s in die etwas naheliegendere Ferne nach Kommern –  ausnahmsweise mal nicht ins Freilichtmuseum sondern in den eigentlichen Ort. Der Ortskern mit seinen vielen gut erhaltenen alten Fachwerkhäusern lockte uns zur Fotoexkursion.

Dass Kommern durchaus sehenswert sein soll hatten wir ja gelesen; aber dass jetzt (fast) alle Parkplätze belegt und der Ortskern abgesperrt war, erschien uns denn doch etwas ungewöhnlich. Nun denn, die strömenden Menschen waren ja auch nicht – wie wir – wegen der Fachwerke angereist, sondern wegen des historischen Handwerkermarktes, der an diesem wundervollen Herbstwochenende vor malerischer Kulisse stattfand. Somit war uns der erwartete Blick auf die fotogenen Häuser verstellt.

Wir hätten jetzt ersatzweise stundenlang rund um die Kirche St. Severinus biblische Szenen fotografisch festhalten

St. Severinus in Kommern - Kreuzigungsszene

oder mit Blick nach oben himmelblaue Impressionen knippsen können.

St. Severinus in Kommern - Blick nach oben St. Severinus in Kommern - Blick nach oben Der Blättervorhang lichtet sich - Ranken in einem Torbogen in Kommern

Ersteres wäre etwas einseitig und Letzteres verursacht Rückenschmerzen … und das bunte wuselige historische Handwerkertreiben war ja eigentlich auch nicht zu verachten. Und so schlenderten wir mit neugierigem Blick durch die engen Sträßchen und entdeckten jede Menge schräge Vögel

Jede Menge schräge Vögel in Kommern

oder ließen uns von sphärenhaften Klängen anlocken.

Aiyana Kanti spielt auf der Hang - entspannend spirituelle Sphärenklänge /Foto: Stefan Schmidt

Aiyana Kanti spielte entspannend spirituelle Lieder auf der Hang, einem Instrument, das ein wenig wie von einem anderen Stern zu sein schien und sehr viel Aufmerksamkeit der Marktbesucher auf sich zog. Die Hang wurde erst in den letzten 10 Jahren von zwei Schweizern entwickelt. Sie ist eine Weiterentwicklung der Steeldrum mit Inspiration von Glocke, Gong, Gamelan, Becken und Trommel. Wer sich mal anhören möchte wie das klingt, kann auf dem Youtube-Channel von Aiyana Kanti vorbeischauen und sich entspannen.

Ein paar Schritte weiter erzählten und spielten zarte Fabelwesen ihre fantasievollen Geschichten.

Bezaubernde Fabelwesen erzählen fesselnde Geschichten

Eine Drehorgelspielerin und ein Akkordeonspieler in historischen Kleidern versetzten uns in längst vergangene Zeiten zurück, was natürlich vor den Fachwerkkulissen ganz besonders eindrucksvoll wirkte.

Drehorgel und Akkordeon - ein stilvoll schönes Paar aus einer anderen Zeit

An anderer Stelle vergnügten sich Eltern und Kinder auf einer nicht wirklich geschichtsträchtigen, aber schon etwas betagteren Raupe, wie ich sie noch aus Jugendzeiten kenne … und das ist schon verdamp lang her … 😉 Der Spaß fährt aber auch auf diesem Vehikel immer noch mit wie Ihr sehen könnt.

Schon etwas älter diese Raupe - aber immer noch fährt der Spaß mit

Wir entdeckten auf unserem Rundgang noch vielerlei interessante Kleinode, Schmuck, Kunstobjekte, Kleidung, Taschen etc. aus unterschiedlichsten, zum Teil außergewöhnlichen Materialien.

Am Stand eines Künstlerpaares aus Zülpich verweilten wir etwas länger, denn Monika und Wolf Hahlbrock legen gesellschaftskritisch ihre malenden und gestaltenden Finger sehr tief in klaffende Wunden des Weltgeschehens.

Wolf und Monika Hahlbrock - kreativ kritischer Blick auf das Weltgeschehen /Foto: Stefan Schmidt

In Gemälden, Skizzen und Skulpturen offenbart sich Künstlers Sicht auf Kirche, Wirtschaftskrisen, Gier, Sucht etc. Diese Kunstwerke fallen aus dem wohlgefälligen Rahmen des historischen Marktes, polarisieren, regen zu Diskussionen mit den Künstlern an und finden doch sehr viel Zuspruch bei den vielen Betrachtern. Es braucht Zeit, die Werke aus verschiedenen Blickwinkeln zu erkunden und die Feinheiten der Ideen zu entdecken. Wolf Hahlbrock bezeichnet sich selbst als „Wutbürger“ … vielleicht kann man ihn aber auch als „Zornkünstler“ (Zorn im besten Sinne) beschreiben. Die Fotos können die Wirkung und Erzählweise der Kunstwerke leider nicht annähernd wiedergeben.

Wolf und Monika Hahlbrock - kreativ kritischer Blick auf das Weltgeschehen /Foto: Stefan Schmidt Wolf und Monika Hahlbrock - kreativ kritischer Blick auf das Weltgeschehen /Foto: Stefan Schmidt

Der historische Handwerkermarkt findet in Kommern jedes Jahr am 3. Oktoberwochenende statt und ist sicher einen Besuch wert. Wir werden Kommern aber irgendwann noch mal an einem nicht gar so belebten Tag besuchen.

In der Galerie findet Ihr neben obigen Fotos noch weitere knippsend festgehaltene Eindrücke unseres Ausfluges nach Kommern. Der größte Teil stammt aus meinem Fundus, die Fotos meines Haus-und-Hof-und-Wald-und-Wiesen-Hobby-Fotografen Stefan habe ich – wie immer – gekennzeichnet (wird angezeigt, wenn Ihr mit der Maus auf das Bild zeigt).

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10 Kommentare zu “Anders – aber auch schön

  1. Das sind wirklich sehr beeindruckende und vielschichtige Eindrücke, die Du bildlich festgehalten hast. Und da es so unterschiedliche sind, fällt es mir schwer, zu sagen, was mir besonders gefallen hätte. Ganz spontan hatten es mir die schrägen Vögel angetan. Aber auch die Hangspielerin verbreitet eine angenehme Atmosphäre. Dann wären da noch die äußerst scharfsichtigen Bilder.
    Wow, welch wunderbarer Markt!

    • Es war gerade diese abwechslungsreiche Vielfalt, die so liebenswert war und die in den Sträßchen Kommerns halt besonders zur Geltung kam. Wir sind dort ja eher „versehentlich hineingeraten“ und hatten leider vieeeeel zu wenig Zeit – dennoch ein schöner Nachmittag. Ich wünsch Dir ein schönes Wochenende!
      Lieben Gruß
      Eva

  2. Der Trubel lockt mich ja nicht so sehr, aber die beiden Bilder da unten gefallen mir auch ganz gut.

    • Der Handwerkermarkt fand in mehreren Sträßchen und auch teilweise in Höfen oder Einfahrten der Häuser statt, so dass sich der Trubel ganz gut verteilte. Für uns Landeier fühlte sich das auf keinen Fall schlimmer an, als ein Spaziergang durch Köln. 😉

  3. Das sind wirklich mal sehr beeindruckende Bilder die echt klasse sind. Die beiden Bilder auf Seite 1 deiner Galerie sind wirklich schön anzusehen, obgleich der geigende Tot schon etwas arg melancholisches hat, aber in einem Wohnzimmer an der Seite oder im Esszimmer könnte auch dieser seine Blicke auf sich ziehen ohne das es gleich makaber erscheint.
    Wirklich sehr gelungen!

  4. Nein, natürlich nicht schlimmer, ein Problem hätte ich da auch nicht, aber mich lockt dennoch mehr die Einsamkeit oder Weite der Landschaft nach draussen.

  5. Andrea Becker

    Hallo !
    Sehr schöner Bericht über den Handwerkermarkt in Kömmern !
    Ich war zum ersten Mal als Aussteller dort und finde es echt toll, das meine „schrägen Vögel“ solchen Anklang fanden. Die „schrägen Vögel“ sind auch übrigens auf dem Zingsheimer Weihnachtsmarkt am 27. November (1. Advent) zu sehen und zu kaufen !

  6. Oh! Ich liebe das/den (?) Hang!
    Bin vorletztes Jahr durch Zufall darauf aufmerksam geworden und seitdem total fasziniert. Schön!

    Die schrägen Vögel find ich auch sehr lustig. Dass es schon wieder weihnachtet weniger… *grmpf* …

    • Laut Wiki und Hersteller heißt es wohl „das Hang“. Weil auf dem Flyer der Hangspielerin „die Hang“ stand (abstammend vom schweizerdeutschen Wort für „die Hand“), habe ich das nicht weiter hinterfragt. Aber egal ob der, die oder das Hang … der Klang ist äußerst eindrucksvoll.

      Es gab soooooo viele schöne Dinge auf dem Handwerkermarkt zu sehen, doch die schrägen Vögel waren schon sehr originell präsentiert.

      Nach Weihnachten ist mir auch noch so gar nicht zumute, ich bin noch nicht mal so richtig im Herbst angekommen … aber da müssen wir jetzt wohl durch.
      Liebe Grüße nach Hamburg
      Eva

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