Feuerwerk mal anders

Im neuen Jahr ein kurzer Blick zurück:

Mädelsabend einen Tag vor Silvester – mein weltbester Kulturbanause bleibt außen vor. Denn eine meiner zwei Grazien und ich haben spontan zwei nette kräftige Männer engagiert, die es mit Pauken und Trompeten Hammer, Flex und Auto für uns so richtig ordentlich krachen lassen. Der dabei entstehende Funkenflug toppt gewiss jedes Jahresendefeuerwerk.

So begeben wir uns einen Tag vor Jahresschluss noch einmal ins Großstadtgetümmel nach Köln. Unmittelbar neben Bahnhof, Dom und Rhein steht das standhafteste Provisorium der Metropole = der

Musical Dome Köln

Dieser Zeltbau wurde 1996 für die Aufführung des Musicals Gaudí errichtet und ist eigentlich seit 2002 in der Stadt nur „geduldet“. Mir gefällt dieses umstrittene Bauwerk und ich wünsche ihm noch viele provisorische Jahre in Köln.

Foyer des Musical Domes Köln - 30.12.2011

Sauber und gepflegt ist das innere Erscheinungsbild. Ein Restaurant und mehrere Theken bieten eine gute Bewirtung. Das Personal ist überall erfrischend freundlich und sehr umsichtig. Die Plätze im Saal sind von vorne nach hinten ansteigend angeordnet und bieten deshalb auch von den hinteren Plätzen einen guten Blick auf die Bühne. Die gepolsterten Klappstühle sind bequem. Es ist also alles vorhanden, um einen angenehmen Abend genießen zu können. Ein junger Eisverkäufer liefert an diesem Abend eine Show vor der Show und verkauft mit strahlendem Lächeln und charmantem Hallöchen bestimmt etliche Kalorie’chen mehr, als der weihnachtsgesättigte Musical-Dome-Besucher einkalkuliert hatte. 😉

Fotoapparat darf man übrigens getrost zuhause lassen, denn mit Argusaugen wird während der Show darauf geachtet, dass weder fotografiert noch gefilmt wird.

AutoAuto! Rythm&Crash-Show mit Christian von Richthofen und Leo Lazar – 30.12.2011

Drei Protagonisten erzählen mit viel Taktgefühl eine außergewöhnliche Geschichte über Liebe, Verkehr, Musik, Exzesse und menschliche Abgründe. Im Mittelpunkt des Geschehens und der Bühne steht ein kleines, hochglanzpoliertes Auto aus zartem Blech, mit wenig Knautschzone und kaum Komfort, aber mit einem Klangvolumen, wie es keine teure Luxuskarosse bieten kann – ein weißer Opel Corsa E halt eben.

Die Ruhe vor der Show: AutoAuto! Rythm & Crash Show im Musical Dome Köln - 30.12.2011

Percussionist Christian von Richthofen und Leonhard Valentin Lazar (ehemals Schlagzeuger und Sänger bei Ruben Cossani) versetzen dieses Klangwunder mithilfe einfachster, in jedem gut sortierten Baumarkt erhältlicher Mittel in swingend-hiphoppend-ernstklassische Schwingungen, die jedem Autoliebhaber Gänsehaut verursachen sowie Tränen in die Augen treiben und selbst erfahrenste TÜV-Prüfer verzweifeln lassen. Das fängt zart liebevoll schleifend an und steigert sich in anderthalb Stunden zum grandios walzergetakteten Finale mit rhythmisch geflextem Funkenflug. Unterstützt von tollen Licht- und Nebeleffekten ist das ein Feuerwerk für alle Sinne.

Ich bin ja gerne Wiederholungstäter, wenn ein Konzert oder eine Show meinen Kulturnerv trifft. Dass das bei AutoAuto! so ist, testete ich bereits im Juli 2008 in der Kölner Philharmonie. In etwas anderer Besetzung gaben damals Christian von Richthofen, Rolf Claussen und ein roter Opel Kadett E ihr Bestes. Die Akustik in der Kölner Philharmonie ist bekanntermaßen exzellent.

Und doch kommt hier im Musical Dome das rhythmische Crashen einen Funken besser rüber – vielleicht, weil der Zeltbau die Schwingungen von der Bühne deutlicher ins Publikum trägt und die Show regelrecht fühlbar macht.

Fazit:

AutoAuto!-Show, das sind 1 1/2 Stunden außergewöhnliche Kurzweil. Christian von Richthofen und der junge Leo Lazar liefern hier mit viel Fingerspitzengefühl, ganzem Körpereinsatz, geschliffenen Worten und feinem Witz einen ganz neuen Blick auf die Beziehung Mensch <-> Auto.

Auch meiner Tochter hat es so gut gefallen, dass sie bestimmt noch ein weiteres Mal hingehen wird – wenn sich denn eine gute Gelegenheit bietet.

Eindrucksvoll war auch der Veranstaltungsort. Ein Frevel, dass ich dort seit „Gaudí“ nicht mehr war. Das wird sich ändern.

Linktipps:

Und zum guten Schluss noch ein paar AutoAuto!-Impressionen vom Ebersberger Kultursommer 2011

Du möchtest diesen Beitrag teilen? Immer gerne!

0 Kommentare zu “Feuerwerk mal anders

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.