Anders – aber auch schön

Erinnert Ihr Euch noch an das vergangene Wochenende? Herbstliche Temperaturen, strahlendblauer Himmel und Sonnenschein satt lockten nach draußen … aber ein fremdbestimmter Kalender ließ wenig Raum für Zerstreuung. Nur den Sonntagnachmittag konnten wir für uns nutzen, also ging’s in die etwas naheliegendere Ferne nach Kommern –  ausnahmsweise mal nicht ins Freilichtmuseum sondern in den eigentlichen Ort. Der Ortskern mit seinen vielen gut erhaltenen alten Fachwerkhäusern lockte uns zur Fotoexkursion.

Dass Kommern durchaus sehenswert sein soll hatten wir ja gelesen; aber dass jetzt (fast) alle Parkplätze belegt und der Ortskern abgesperrt war, erschien uns denn doch etwas ungewöhnlich. Nun denn, die strömenden Menschen waren ja auch nicht – wie wir – wegen der Fachwerke angereist, sondern wegen des historischen Handwerkermarktes, der an diesem wundervollen Herbstwochenende vor malerischer Kulisse stattfand. Somit war uns der erwartete Blick auf die fotogenen Häuser verstellt.

Wir hätten jetzt ersatzweise stundenlang rund um die Kirche St. Severinus biblische Szenen fotografisch festhalten

oder mit Blick nach oben himmelblaue Impressionen knippsen können.

Ersteres wäre etwas einseitig und Letzteres verursacht Rückenschmerzen … und das bunte wuselige historische Handwerkertreiben war ja eigentlich auch nicht zu verachten. Und so schlenderten wir mit neugierigem Blick durch die engen Sträßchen und entdeckten jede Menge schräge Vögel

oder ließen uns von sphärenhaften Klängen anlocken.

Aiyana Kanti spielte entspannend spirituelle Lieder auf der Hang, einem Instrument, das ein wenig wie von einem anderen Stern zu sein schien und sehr viel Aufmerksamkeit der Marktbesucher auf sich zog. Die Hang wurde erst in den letzten 10 Jahren von zwei Schweizern entwickelt. Sie ist eine Weiterentwicklung der Steeldrum mit Inspiration von Glocke, Gong, Gamelan, Becken und Trommel. Wer sich mal anhören möchte wie das klingt, kann auf dem Youtube-Channel von Aiyana Kanti vorbeischauen und sich entspannen.

Ein paar Schritte weiter erzählten und spielten zarte Fabelwesen ihre fantasievollen Geschichten.

Eine Drehorgelspielerin und ein Akkordeonspieler in historischen Kleidern versetzten uns in längst vergangene Zeiten zurück, was natürlich vor den Fachwerkkulissen ganz besonders eindrucksvoll wirkte.

An anderer Stelle vergnügten sich Eltern und Kinder auf einer nicht wirklich geschichtsträchtigen, aber schon etwas betagteren Raupe, wie ich sie noch aus Jugendzeiten kenne … und das ist schon verdamp lang her … 😉 Der Spaß fährt aber auch auf diesem Vehikel immer noch mit wie Ihr sehen könnt.

Wir entdeckten auf unserem Rundgang noch vielerlei interessante Kleinode, Schmuck, Kunstobjekte, Kleidung, Taschen etc. aus unterschiedlichsten, zum Teil außergewöhnlichen Materialien.

Am Stand eines Künstlerpaares aus Zülpich verweilten wir etwas länger, denn Monika und Wolf Hahlbrock legen gesellschaftskritisch ihre malenden und gestaltenden Finger sehr tief in klaffende Wunden des Weltgeschehens.

In Gemälden, Skizzen und Skulpturen offenbart sich Künstlers Sicht auf Kirche, Wirtschaftskrisen, Gier, Sucht etc. Diese Kunstwerke fallen aus dem wohlgefälligen Rahmen des historischen Marktes, polarisieren, regen zu Diskussionen mit den Künstlern an und finden doch sehr viel Zuspruch bei den vielen Betrachtern. Es braucht Zeit, die Werke aus verschiedenen Blickwinkeln zu erkunden und die Feinheiten der Ideen zu entdecken. Wolf Hahlbrock bezeichnet sich selbst als „Wutbürger“ … vielleicht kann man ihn aber auch als „Zornkünstler“ (Zorn im besten Sinne) beschreiben. Die Fotos können die Wirkung und Erzählweise der Kunstwerke leider nicht annähernd wiedergeben.

Der historische Handwerkermarkt findet in Kommern jedes Jahr am 3. Oktoberwochenende statt und ist sicher einen Besuch wert. Wir werden Kommern aber irgendwann noch mal an einem nicht gar so belebten Tag besuchen.

In der Galerie findet Ihr neben obigen Fotos noch weitere knippsend festgehaltene Eindrücke unseres Ausfluges nach Kommern. Der größte Teil stammt aus meinem Fundus, die Fotos meines Haus-und-Hof-und-Wald-und-Wiesen-Hobby-Fotografen Stefan habe ich – wie immer – gekennzeichnet (wird angezeigt, wenn Ihr mit der Maus auf das Bild zeigt).

10 Kommentare zu “Anders – aber auch schön

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