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Café Hahn on Tour mit den Popolskis

Das Café Hahn in Koblenz-Güls an der Mosel ist eines unser Lieblingscafés. Allerdings kehren wir hier nicht ein, um Kaffee und Kuchen zu genießen – das wäre letztmalig vor ca. 30 Jahren möglich gewesen. Im Café Hahn serviert man heutzutage eher herzhafte Kleinigkeiten mit dazu passenden Getränken und für die restlichen unversorgten Sinne gibt es lebendige Kunst = Kabarett, Comedy, Musik etc. vom Feinsten und für jeden Geschmack. Das Café Hahn ist nämlich ein kleiner, schnuckliger und urgemütlicher Club mit recht niedriger Bühne – hier steht das Publikum mit den Künstlern fast auf Augenhöhe.

Und es ist Heimat für den goldenen Arsch mit Ohren,

einem Wanderpreis des Fördervereins Kultur im Café Hahn, der einmal jährlich anlässlich des Gaukler- und Kleinkunstfestivals der Stadt Koblenz verliehen wird.

Leider liegen zwischen dem Café Hahn und uns ca. 100 km, sonst würden wir hier ganz sicher viel viel öfter reinschauen. Auf dem Café-Hahn-Programm stand für den 19. Oktober 2011 die Familie Popolski und das wäre ein geeigneter Anlass für einen Koblenz-Besuch gewesen … na ja … wäre! Denn wenn das Café Hahn aus allen Nähten zu platzen droht, dann geht es mit den Künstlern on Tour – „Café Hahn on Tour“ halt eben. So auch mit den Popolskis, die ja in der letzten Zeit rasant an Popularität gewonnen haben.

So mussten wir für unser Café-Hahn-Popolski-Erlebnis zu den 100 km noch mal schlappe 40 km drauflegen und landeten in Boppard am Rhein. Immerhin entschädigten solche abendlichen Anblicke für den zusätzlichen Aufwand:

Für ausgiebiges Sightseeing blieb uns aber leider nicht genug Zeit.

Die Stadthalle Boppards liegt zentral am Marktplatz. Die modernen und hellen Räume sind einladend und sehr gut gepflegt – ein schöner und zweckmäßiger Veranstaltungsort. Das sehr professionelle Team des Café Hahn sorgte auch in diesem Rahmen wieder für eine gute und bezahlbare Vielfalt an Speisen und Getränken.

Alles lief wie am Schnürchen – halt so, wie man sich das als Gast wünscht.

Familie Popolski mit „Get the Polka started“ in Boppard – 19.10.2011

Nachdem die Popolskis zum Tourstart im ZAKK in Düsseldorf rein klanglich kein großes Vergnügen waren, wollten wir es natürlich noch einmal wissen. Waren das Startschwierigkeiten? Einen Monat und ein paar Konzerte weiter müsste es eigentlich besser klappen. Und was soll ich sagen schreiben? Es klappte besser. Noch nicht ganz perfekt, aber dieses Mal konnten wir die Texte der Lieder wieder gut verstehen und die eindrucksvollen Stimmen genießen.

Die Familie Popolski erschien in Boppard in der gleichen Zusammenstellung wie in Düsseldorf auf der Bühne:

  • Pavel (Achim Hagemann – Moderation, Schlagzeug, Gesang)
  • Mirek (Mirko van Stiphaut – Gitarre, Gesang)
  • Marek (Markus Grieß – Gitarre, Akkordeon, Keyboard, Gesang, Kamera)
  • Danusz (Daniel Basso – Keyboard, Trompete, Gesang, Scat, Krücken)
  • Janusz (Martin Ziaja – Bass, Gesang)
  • Henjek (Ludwig Götz – Posaune, Gesang, Tanz)
  • Stenjek (Rüdiger Testrut – Trompete, Gesang, Tanz)
  • Dorota (Iva Buric Zalac – Gesang)
  • Bogdan (Jörg Hamers – Gesang, Gitarre, Schlagzeug)

Damit gab es dieses Mal für uns persönlich keine großen Überraschungen bei der Songauswahl, das ging Querbeet durch das geklaute und verhunzte Repertoire von Madonna, Aloe Blacc, Karat, Gloria Gaynor, Abba und vielen anderen. Auch Komponisten durchaus ernsthafter sinfonischer Werke sowie von Broadway-Musicals haben sich der Werke der Popolskis bedient, wie uns eindrucksvoll schauspielreif demonstriert wurde. Schnelle und laute Songs wechselten sich ab mit leisen und herzergreifenden Balladen.

Nebenbei erfuhren wir natürlich wieder einiges aus dem familären Nähkästchen – Pavel plaudert ja gerne und er hatte reichlich neues zu berichten, endlich auch mal Details aus dem Lebenslauf des sonst so geheimnisvollen Marek.

Der sowieso schon arg gebeutelte Danusz – er ist (fast) blind und taub –

hatte sich zu allem Unglück auch noch beim Trockenskifahren das Hüftgelenk ausgekugelt und kam gestützt von der Familie und von Krücken auf die Bühne. Gut, ob das mit dem Trockenskifahren so stimmte, wer weiß das bei den Popolskis schon. Aber  die Notwendigkeit der Krücken war ausnahmsweise mal kein Pavelsches Märchen sondern schmerzhafte Realität. Hut ab vor der Leistung Danuszs, der trotz Bandscheiben- oder Sonstwas-Blues eine tolle Show leistete.

Gitarrengott Mirek war wider Willen und mit Januszs Hilfe auf den Schlumpf gekommen,

und Bogdan erklärt uns den steinigen brückenreichen Weg zum Baumarkt seines Herzens.

Natürlich ist es ein polnischer Baumarkt und ganz selbstverständlich gibt es hier … und auch nur hier …  das polnische Original des einzig wahren und wirksamen Klebebandes für alle Fälle: Gaffek

Diese unglaublichen und wichtigen zeitgeschichtlichen polnischen Enthüllungen wurden im Lauf der Show immer wieder von Kameramann Marek mit bester polnischer Technik eingefangen auf die große Leinwand projeziert, damit alle im Publikum bis in die letzten Reihen wirklich alles mitbekommen.

Gelernt ist gelernt.

Fazit:

Es hat sich wirklich viel geändert bei den Popolskis seit der letzten Tour (From Zabrze with Love). Die Show ist bis auf wenige Lieder komplett neu und ganz viele unbekannte Geschichten werden erzählt. Für neue und alte Freunde der Show kommt damit ganz bestimmt keine Langeweile auf. Nachdem nun auch der Sound wieder stimmiger daherkommt, ist es eine turbulente und spaßige, polnisch-politisch absolut unkorrekte Show.

Aber so richtig will bei mir der Funke trotzdem nicht zünden, was wohl daran liegt, dass dieses Mal weniger Lieder dabei, die bei mir so den richtigen Aha- und Wohlfühleffekt verursachen. Da ich aber einen „etwas eigenen“ Musikgeschmack pflege – soll das keinen abschrecken, sich die Popolskis live anzusehen … eher im Gegenteil! ;-)

Viele weitere Konzerttermine für 2011 und 2012 sind schon festgelegt. Ihr findet sie auf der Homepage der Popolskis. Also dann viel Spaß bei der Popolski-Show!

Linktipps:

Zum Schluss kommt noch die Fotogalerie (Fotos: Stefan Schmidt):

13 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Elvira sagt:

    Irgendwie fällt es schwer, neue Lieder und so anzunehmen, nicht wahr? Ich würde sie gerne mal im kleinen Rahmen sehen, so als Wohnzimmerkonzert, na, ja, ein bisschen größer.
    Wieder ein herzliches Dankeschön für die tollen Bilder und den Bericht!
    Liebe Grüße,
    Elvira

    1. Eva sagt:

      Ja, so ein Wohnzimmer- oder Clubkonzert, das ist auch genau das, was ich so liebe.
      Du wirst rund um Berlin wahrscheinlich eher die Möglichkeit haben, die Popolskis in kleinerem Rahmen zu sehen, als wir.
      Das ist vielleicht auch der eigentliche Knackpunkt, weshalb es bei mir nicht mehr so „funkt“ wie früher.
      Ich wünsch Dir noch ein schönes Restwochenende
      Eva

  2. nixZen sagt:

    Ich war zweimal bei Paolo Conte. Das erste Konzert war genial. Beim zweiten Konzert dachte ich na ja. Woran es gelegen hat, wu wei?
    Vielleicht wie mit dem Wein, mal ein anderer Jahrgang, schmeckt anders, oder in Italien hat er noch geschmeckt und Zuhause grmpf.
    Thats Kunst

    1. Eva sagt:

      Yep, wer weiß. Manchmal liegt’s auch an der Stimmung im Publikum oder an der eigenen nicht ausgehvergnüglichen Stimmung usw. usf.
      Ich glaube mittlerweile fast, dass ich einfach für die großen, professionellen Shows nicht publikumstauglich bin. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne … und es gibt noch so viele unbekanntere gute Musiker/Comedians/Kabarettisten in diesem Land, die auch mal gehört und gesehen werden wollen. ;-)

  3. Stefan sagt:

    Nun, ich kann mich mit der neuen Show noch nicht so ganz anfreunden. Die Musiker verwenden in jüngster Zeit ein „In-Ear-Monitoring“-System anstatt Monitor Boxen. Ich habe den Eindruck, dass mit der Umstellung das Gesamtbild des Sounds gelitten hat. Das musikalische Können der einzelnen Musiker kommt nicht mehr so rüber und das timing erscheint mir nicht mehr so präzise wie früher.

    Mit der Popularität wachsen auch die Hallen in denen die Pops auftreten. Sie haben es sich bestimmt verdient, aber ich fand die Stimmung und den Sound in den kleinen, schnuckeligen Spielorten wie z. B. dem Caf‘e Hahn in Koblenz oder dem Zakk in Düsseldorf besser – hauchnah eben.

    1. Eva sagt:

      Na, dass Du das wieder mehr von der technischen Seite siehst, war mir ja klar. ;-)
      Du hast übrigens noch das gemütliche LYZ in Siegen, die allerschönste und -heißeste Klosterruine in Marienthal und – last but not least – die Multifunktionshalle in Hückeswagen vergessen … na, na, na, na, na, na, na … struvko.
      Schöne Erinnerungen – nicht wahr?

  4. Michl sagt:

    Chey!
    Hab euch im zakk ja schon gesagt, wie toll ich den Blog hier und die Fotos finde.
    Jetzt hab ich eine Frage:
    Welches Lied spielen sie am Ende, wo Janusz auf der Akustik-Gitarre spielt und Dorota singt? Das war auf den anderen Konzerten bis jetzt nicht dabei. Es sieht ja so aus als wäre es nach der Zugabe, also nach seiner Polka-Prüfung.
    Hoffe, sie spielen es in der Kufa auch!

    Macht weiter so, freue mich auf weitere Berichte :-)

    1. Eva sagt:

      Hallo Michl, ich freue mich, von Dir zu lesen. Das Lied war in Boppard das allerletzte … Lied. ;-) Gefiel mir ganz gut – Titel des Originals „Now you’re in Lublin“. Ich bin erstaunt, dass Du den „neuen Song“ nur am Foto erkannt hast; Janusz singt/spricht auch dabei.

      Alicia Keys und Jay-Z haben diesen Song vor noch nicht allzulanger Zeit mal ziemlich erfolgreich als „Now you’re in New York“ verhunzt:
      http://youtu.be/0UjsXo9l6I8

      Hast Du etwa die Karten für alle beiden Termine in der Kufa aufgekauft? ;-) Ich wünsche Dir ganz viel Spaß und drücke die Daumen, dass das Lied gespielt wird!
      Liebe Grüße
      Eva

      1. Michl sagt:

        Danke für deine Antwort!
        Ja, ich hab Karten für beide Konzerte, war ja auch bei beiden im zakk *rotwerd*
        Bei 25 Konzerten erkennt man ein neues Lied schon am Foto, aber das zeigt natürlich die Qualität der Fotos! :-)
        Er singt? Jetzt bin ich erst recht gespannt und hoffe, sie spielen es in der Kufa!
        Vielleicht treffen wir und ja nochmal!

        Viele Grüße!

        1. Eva sagt:

          Na ja, singen … würde ich es jetzt nicht wirklich nennen. Er „ubt der Sprechgesang“. Im Duett mit Dorota und unterstützt von der Familie kann aber nix schiefgehen. ;-)
          Könnte durchaus sein, dass wir uns nochmal treffen. Ich habe aber noch’n paar andere Events auf meinem Kult(o)ur-Wunschzettel stehen. Und da unsere Vergnügungssucht kein preiswertes Hobby ist … schauen wir bei den Pops erst in fernerer Zukunft mal wieder rein.
          Aber ich denke, man liest sich bis dahin noch mal.
          Lieben Gruß
          Eva

  5. Holly sagt:

    Hello again Eva!

    Habt Ihr meine Kollegin getroffen, die war auch in Boppard? :-)
    Allerdings nicht beim Konzert, ist eine Kulturbanausin aus dem Siegener Hinterland.

    Hatte auch neulich einen Kunden im Laden aus Eurer Heimatstadt, der kannte Euch aber nicht. :-)

    So, genug geschwafelt. Kommen wir zu meinen Kommentar, schließlich habe ich das Notizblögchen nicht umsonst bekommen. ;-)
    Es geht mir ähnlich wie dir, so richtig will das neue Programm nicht zünden. Würde mich da auch auf den Aha-Effekt und deinen, bzw. meinen, eigenen Musikgeschmack berufen. Die zwei Instrumentalnummern hintereinander halte ich immer noch für ungeschickt und obwohl ich es mag, wenn Dorota richtig abrockt, wäre es schön, eine Verbindung zu dem Lied zu haben.
    Wobei mir die Show mit Andrzej besser gefallen hat, weil seine Lieder bei mir diesen Wohlfühleffekt hervorrufen. Und weil der Familie in Köln zwei alte „Bekannte“ im musikalischen Gepäck hatten. [Wobei es auch nett ist, daß Bogdan sein „Sieben Brücken“-Lied singen darf, was vorher immer angesprochen wurde und seine Videos köstlich sind.]
    Auf der anderen Seite ist das ein Problem jedes Künstlers, denn es fehlen immer Lieder in einer Setlist, die man gerne gehört hätte. Künstler können es halt nicht jedem in einer Halle Recht machen. Von daher finde ich es verschmerzbar. Genauso wie die Hallengröße. Kleiner ist feiner, aber besser in einer großen Halle als gar nicht.

    Trotz aller Kritik muß ich gestehen, daß mir die Konzerte immer noch viel Spaß bereiten. Es ist einfach immer wieder phantastisch, so großartige Musiker live erleben zu dürfen. Ich freue mich schon auf Dezember.

    Viele liebe Grüße
    Holly

    P.S.
    Janusz spielt ein Lied auf der akustischen Gitarre? Das kenne ich noch gar nicht.
    Macht aber auch den Reiz aus. Jede Show ist immer ein bißchen anders. :-)

    1. Eva sagt:

      Hello again zurück, bester Notizblögchenbesitzer Holly. ;-)

      Nein, deine Kollegin haben wir nicht in dieser Stadt gesehen, wo der Bob erfunden wurde und die in gut informierten Kreisen auch manchmal BebopArt genannt wird. (Quelle: Pavel P.) Eine schöne Stadt mit sehr angenehmem Publikum – eher in vergnüglich-gepflegter Wein- als in ekstatischer Wodkalaune.

      Und es soll wirklich noch Menschen in der Weltstadt Overath geben, die uns nicht kennen! Vielleicht auch besser so … ;-)

      An Deinen Worten ist was Wahres dran. Die Konzerte machen immer noch riesigen Spaß und sind eindeutig besser, als manch anderes, was man schon gesehen und gehört hat. Aber die Pops bleiben aus meiner Sicht unter ihren Möglichkeiten. So wie wir diese Band allerdings die letzten 3 Jahre erlebt haben, werden sie an dem Programm weiter feilen und auf die Stimmung des Publikums reagieren – Pavel & Co. haben da sehr feine Antennen. Der neue Rap mit Janusz und Dorota lässt hoffen und „Dance with somebody“ war auch wieder mit dabei. Vielleicht kannst Du ja mal vom Konzert in Siegen berichten. Wir machen jetzt nämlich erst mal ein Weilchen Popolski-Pause.

      Schade nur, dass ich bislang nicht das Vergnügen hatte Andrzej mit „Verdammt ich lieb mich …“ live zu erleben – wir wären wohl doch besser mit ins E-Werk gegangen?! Auf der anderen Seite freue ich mich auch immer wenn Bogdan mit dabei ist. Er versteht es, selbst das verschlafenste Publikum aus seinen Träumen zu reißen und sein Baumarktreggea gefällt mir gut. Ungeschickt fand ich, dass er nur in der zweiten Hälfte der Show präsent war.

      Wir hatten übrigens schon zweimal das Erlebnis Andrzej zusammen mit Bogdan auf der Bühne zu genießen – eine ganz tolle Kombination, die allerdings damit bezahlt werden musste, dass Dorota oder Janusz fehlten. Und trotzdem ganz phantastische Konzerte.

      Mach’s gut und viel Spaß im Siegener Glaspalast und bei all den anderen Events, die Euch noch so umtreiben. Grüße auch an Deine „knippsende“ bessere Hälfte.
      Eva

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