Übers Ohr ins Herz – 25

Wenn Worte fehlen, dann hilft es mir im Plattenschrank zu stöbern und ein wenig rückwärts zu reisen – gedanklich und musikalisch. Auch gegen das Gefühl, mir vor lauter Fremdbestimmung selbst abhanden zu kommen, hilft so eine klangliche Zeitreise ungemein, wieder auf den Boden und zu den Wurzeln zurückzukehren. Gelandet bin ich vor ein paar Tagen (u. a.) bei einer Band, die mich in den 80ern stark beeindruckte. Deren Platten liefen bei mir rauf und runter – immer laut … sehr laut. Von BAP ist die Rede. Kölsche Tön, die ich nur zu gerne höre.

Mein Lieblingslied von BAP – damals wie heute – ist „Verdamp lang her“. Was mich bei diesem Titel am meisten beeindruckt, je älter ich werde umso authentischer wird der Text. Viele Liedtexte die mir früher einmal was bedeuteten, haben mit der Zeit für mich an Aussagekraft verloren. Ganz anders hier. Der Text ist auch heute noch einfach nur gut, vielleicht sogar noch besser! Viel Spaß mit einem legendären Song einer legendären Band live gespielt anlässlich der letzten aller legendären Rockpalast-Nächte 1986. (Sehr eindrucksvoll auch die Zwischenansage von Wolfgang Niedecken ab Minute 4:48 im Video.) Hört und schaut mal rein – dabei nicht vergessen: LAUT – SEHR LAUT!

Danke an pinki123able fürs Hochladen dieses und anderer Songs der Rockpalast-Nacht bei youtube.

Und damit das auch Nicht-Kölner unter uns verstehen können, hier der Versuch einer Übersetzung von BAPs „Verdamp lang her“:

Verdammt lang her

Verdammt lang her, dass ich fast alles ernst nahm. Verdammt lang her, dass ich an was geglaubt. Und dann der Schock, wie’s anders auf mich zukam. Merkwürdig, wie der Hase manchmal läuft. Nicht resigniert, nur reichlich desillusioniert – ein bißchen was hab‘ ich kapiert.

Wer alles, wenn’s gut läuft, hinter dir her rennt, dir die Schulter klopft, und dich plötzlich hofiert, sich ohne rot zu werden Dein Freund nennt und dich tags drauf ganz einfach ignoriert. Es ist lang her, dass ich vor sowas ratlos stand und vor Enttäuschung echt nicht mehr konnte.

Ich weiß noch, wie ich nur davon geträumt hab‘, nicht wußte wie und wo ich suchen soll. Vor lauter Sucherei das Finden glatt versäumt hab‘ und überhaupt, was ich wo finden wollt‘. Den Kopf voll Nix, nur die paar instinktiven Tricks, es dauert lange, bis du dich durchblickst.

Das war die Zeit, wo ich noch nicht mal Pech hatte, nein, noch nicht mal das, ich hat‘ sie nicht mal satt. Hier war John Steinbeck, da stand Joseph Conrad, dazwischen ich – nur relativ schachmatt. Paar Jahre her, doch die Erinnerung fällt nicht schwer. Heute kommt’s mir vor, als wenn es gestern wär.Verdammt lang her, verdammt lang, verdammt lang her!

Fragst mich, wann ich zuletzt ein Bild gemalt hab‘, ob mir ein Lied tatsächlich jetzt genügt, ob ich jetzt da bin, wo ich hingewollt hab‘, ob mir meine Farbe auf die Tour nicht vertrocknet. Ich glaub, ich weiß, ob du nun laut malst oder leis, es kommt nur an, dass du es tust. Verdammt lang her, verdammt lang, verdammt lang her!

Verdammt lang her, dass ich bei dir am Grab war. Verdammt lang her, dass wir gesprochen hab’n, und dass vom einen auch was beim anderen ankam, so lang, dass ich mich gut erinnern kann. Hast fest geglaubt, dass wer im Himmel auf dich wartet. „Ich gönne es dir, Bap (Papa)“, hab ich gesagt – nicht nur gesagt …! Verdammt lang her …

Diese Übersetzung liest sich teilweise ziemlich schräg, aber es gibt Sätze, die hören sich auf Kölsch nun mal einfach viel besser an. Und da Niedecken hier mit „Wortbildern“ arbeitet, trifft es diese Übersetzung halt nicht ganz.

7 Kommentare zu “Übers Ohr ins Herz – 25

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