Unvergessliche Momente

Wir erlebten ihn vor gut 20 Jahren im Oktober 1992 in der Kölner Philharmonie – Dave Brubeck. Er wirkte mit Anfang 70 sehr zerbrechlich, als seine Söhne ihn die Stufen zum Flügel begleiteten. Dieser erste Eindruck sollte täuschen. An den Tasten war dieser Mann wie ausgewechselt und voller Elan. Wir saßen nicht weit entfernt; konnten ihm auf die Finger schauen. Es war ein legendäres Jazzerlebnis mit The Dave Brubeck Family Project.

Vier Jahre später, im Mai 1996, kehrte er mit dem Dave Brubeck Quartett in die Kölner Philharmie zurück. Anders als 1992 wirkte er dieses Mal insgesamt jugendlich frisch – nicht nur an den Tasten. Vier ältere Herren, hatten auf der großen Bühne der Philharmie viel Raum, musikalisch miteinander zu kommunizieren und interagieren sowie mit feinem Humor und begeisternder Spielfreude ihr Publikum zu unterhalten.

Die wundervolle Musik Dave Brubecks und meine lebhaften Erinnerungen an zwei seiner ungezählten Konzerte bleiben. Dave Brubeck starb heute – einen Tag vor seinem 92. Geburtstag.

Das Video „Take Five – Dave Brubeck (Montreal Jazz Festival 2009)“ wurde von Clovis Pain bei YouTube veröffentlicht. Danke.

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2 Kommentare

  1. Drei Jahre vor seinem Tod habe ich im Juli 2000 das große Glück gehabt Ruben Gonzalez mit den anderen alten Herren des Buena Vista Social Clubs in der Waldbühne erleben zu dürfen. An ihn musste ich eben denken. Denn genau wie Dave Brubeck konnte er nur mit großer Mühe das Klavier erreichen. Aber dann!
    Ich weiß nicht woran es liegen mag, aber ich habe den Eindruck, dass mit diesen großen alten Männern eine Epoche zu Ende geht, egal, welche Stilrichtung sie lebten. Oder kenne ich nur nicht ihre Erben?
    Liebe Grüße von Elvira

    • Um dieses Erlebnis in der Waldbühne beneide ich Dich ein wenig, liebe Elvira. Das sind Perlen, die man sicher suchen muss – aber es gibt sie (diese Ausnahmekünstler) auch noch in jung.

      Dave Brubeck war ja Musiker und Komponist – und ausgerechnet das berühmteste Stück des Dave Brubeck Quartetts stammt nicht aus seiner, sondern aus der Feder seines Saxophonisten Paul Desmond. Dieser starb bereits 1977, war aber mit „Take Five“ doch bei jedem Brubeck-Konzert irgendwie mit dabei.

      Wir rätseln bis heute, ob Dave Brubeck damals in der Philharmonie in Köln vielleicht gesundheitlich angeschlagen oder nur durch den Flug übern großen Teich entkräftet war. Vier Jahre später wirkte er wesentlich jugendlicher. Er ist noch lange Jahre hier auf dem alten Kontinent aufgetreten und gab in den USA auch in jüngerer Zeit immer noch Konzerte. Soweit ich gelesen habe war sogar noch eine Veröffentlichung von alten Jazzkompositionen geplant. Ein langes, erfülltes Künstlerleben hatte er – wie ich finde. Und ich bin froh, diese zwei Konzerte als Erinnerungsschatz zu haben.
      Leicht verschneite Wintergrüße aus dem Bergischen Land
      Eva

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